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Es gibt viel zu tun
Neben dem Studium noch Zeit und Energie, sich für Politik, Kultur und seine Mitmenschen zu engagieren? Dass das möglich ist und vor allem, dass ihr selbst davon profitiert, zeigt Pia Schreiber in ihrem Bericht.
In Hochschulgremien sitzen, Austauschstudenten unterstützen, Kinder betreuen. Klingt alles verlockend. Aber während des Studiums? Als ob man nicht schon genug mit den Vorlesungen, Hausarbeiten, Prüfungen und Nachbereitungen zu tun hätte! Doch der Aufwand lohnt sich – das findet zumindest der ehemalige Student Matthias Neumeier. Der Wirtschaftswissenschaftler war mehrere Jahre lang Vorsitzender der Unabhängigen Studenten Union (USO) an der Fachhochschule (FH) Regensburg und als deren Vertreter in verschiedenen Gremien der FH aktiv. Im Rahmen dieser Arbeit kümmerte sich Matthias Neumeier um die Belange der ausländischen Studierenden. So machte er mit ihnen zum Beispiel Ausflüge und organisierte Treffen zwischen deutschen und ausländischen Studierenden.
Damit leistete er einen großen Beitrag zur Integration – findet Dr. Wilhelm Bomke, Leiter des Akademischen Auslandsamts der FH Regensburg. Er nominierte Matthias Neumeier vor zwei Jahren für den vom Deutschen Studentenwerk verliehenen Preis ,Studierende für Studierende: 2. Studentenwerkspreis für besonderes soziales Engagement‘. Und Matthias Neumeier gewann – 1.000 € Preisgeld und jede Menge Anerkennung. Der heute 36-Jährige erinnert sich: „Nachdem ich vorgeschlagen wurde, habe ich eigentlich gar nicht mehr an den Wettbewerb gedacht und meine Bewerbung fast vergessen. Monate später bekomme ich einen Brief, in dem steht, dass ich gewonnen habe. Das war schon sehr aufbauend und hat mich riesig gefreut. Sowohl die Ehrung als auch der Geldpreis, da ich damals ja gerade erst mit dem Studium fertig war.“
Es geht darum, sich um die
kleinen Dinge zu kümmern
Neben dem Preis hat Matthias Neumeier sein Engagement auch persönlich viel gebracht. Er habe gelernt, dass es sich – egal in welchen Bereichen des Lebens – immer lohnt, sich für eine Sache, die einem wichtig ist, einzusetzen. Und, „dass man sich um die kleinen Dinge intensiver kümmern muss als um die großen. Die großen Dinge haben genug Beachtung und werden gern von allen sorgfältig bearbeitet, da das Rampenlicht ruft.“
Für den Preis des Deutschen Studentenwerks gab es insgesamt 259 nominierte Projekte oder Studierende. Die 13.000 € Preisgeld teilten sich sieben Preisträger. Eine illustre Jury entschied, an wen das Geld gehen sollte. Dr. Michael Bürsch, zum Beispiel – der Vorsitzende des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement des Deutschen Bundestages – hatte bei dem Wettbewerb den Vorsitz in der Jury. Er ist begeistert von dem studentischen Engagement: „Diese Studenten wirken vor allem als Vorbild für viele Bürgerinnen und Bürger, die am bürgerschaftlichen Engagement Anteil nehmen. Sie setzen ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht nur für ihre Ausbildung interessieren, sondern auch bereit sind, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.“ Um seine Unterstützung weiter zu unterstreichen, hat Bürsch die Initiative ,Deutschland liest vor‘ mitgegründet, an der sich auch Studenten beteiligen. Aber auch der Abgeordnete sieht Änderungsbedarf in der allgemeinen Einstellung gegenüber dem Einsatz der Studenten: „Was ich mir wünsche, ist mehr Wertschätzung und Würdigung für solches Engagement.“
In anderen Teilen der Welt gehört das studentische Engagement schon viel selbstverständlicher zum Uni-Alltag dazu. Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter, zum Beispiel gründete vor fast acht Jahren mit seiner Frau Rosalynn Carter den Partnership Award for Campus Community Collaboration. In 25 US-Staaten und in Indien werden seitdem Studenten geehrt und unterstützt, die sich gesellschaftlich engagieren. Im Juli vergangenen Jahres kamen die Carters auch nach Deutschland – nach Lüneburg – und verliehen dort erstmals auch an deutsche Studenten den Preis. Gefördert werden soll vor allem die gelungene Verknüpfung von Lehre und sozialem Engagement – in Deutschland alles andere als selbstverständlich, wie auch Matthias Neumeier am eigenen Leib erfahren musste: Einen Job hat ihm der Preis bisher noch nicht gebracht. In mehreren Bewerbungsgesprächen wurde er zwar immer wieder auf seine Auszeichnung angesprochen und ihm wurde dazu gratuliert, aber geholfen habe das letztlich nicht. Matthias Neumeier prangert da eine grundsätzliche Einstellung einiger Personaler an: „Ich würde mir wünschen, dass die Unternehmen in Deutschland nicht nur nach sozialem Engagement verlangen, sondern dies auch würdigen, sei es durch Preise oder auch Jobs.“ Aber Matthias Neumeier würde das studentische Engagement niemals infrage stellen: „Es sei trotzdem allen gesagt: Tu Gutes und rede darüber, vielleicht hört es ja der Richtige.“
In Lüneburg ging Jimmy Carters Preis an Lehramts-Studierende der Universität Mannheim, die an Grund- und Hauptschulen Streitschlichter ausbildeten und Schüler auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiteten. Diese Verleihung zeigt die Richtung an, in die es in Zukunft gehen sollte: praxisnahes und studienintegriertes Engagement, das für alle Beteiligten bereichernd ist.
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