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Was sind die häufigsten Gründe für einen Studienabbruch?

Die Umfragen zeigen klar: 17 Prozent der Abbrüche sind bedingt durch eine berufliche Neuorientierung: Berufsausbildung statt Studium. Außerdem brechen 17 Prozent aus finanziellen Gründen und weitere 16 Prozent aufgrund des Verlustes der Studienmotivation ab
Welche Ursachen führen zu einem Wechsel der Hochschule?

Die meisten Studierenden beginnen ihr Studium an einer Hochschule in der Nähe ihres Wohnsitzes. Zunehmende Abenteuerlust, der Wunsch, sich zu verändern, die Herausforderungen eines Auslandsaufenthalts und/oder die Erkenntnis, dass das Studienangebot an einer anderen Hochschule interessanter oder umfassender ist, führen zu einem Wechsel.
Wie kann ich erkennen, dass ein Abbruch für mich besser wäre als weiter zu studieren?

Diese Erkenntnis wächst über einen längeren Zeitraum. Indikatoren sind der Verlust der Motivation, sich mit den Fachinhalten zu beschäftigen, zunehmendes Vermeidungsverhalten, depressive Verstimmungen, Lust auf andere Fachinhalte.
Kann man überhaupt wissen, dass man sich für den richtigen Lebensweg entschieden hat?

Manche Menschen fühlen die ,Berufung‘, wie zum Beispiel für das Priesteramt. Für uns andere gilt: Es sieht so aus, dass die Menschen, die mit ihren Entscheidungen glücklich sind, diese im Nachhinein als die ,richtigen‘ wahrnehmen. Sie haben also die Fähigkeit, sich rückwirkend mit der Entwicklung einverstanden zu erklären. Auf diese Fähigkeit zu vertrauen, ist wichtiger, als im Voraus nach der ,richtigen‘ Entscheidung zu suchen.
Wie kann ich mich nach einem Abbruch wieder motivieren?

Wozu motivieren? Viele Abbrecher sind nach der Entscheidung erleichtert, ihren Konflikt gelöst zu haben und nicht mehr mit dem ungeliebten Studium konfrontiert zu sein. Es ist wichtig, zu prüfen, ob der Abbruch durch Faktoren mitverursacht wurde, die auch bei einer Berufsausbildung oder einem anderen Studium störend wirken können. Dazu zählen etwa ungeeignete Lern- und Arbeitstechniken. Wenn das der Fall ist, sollte man etwas dagegen unternehmen.
Dennoch nimmt niemand einen Abbruch auf die leichte Schulter. Was sollte man danach unbedingt tun?

Man sollte sich beraten lassen, das Gespräch mit anderen suchen, beispielsweise mit der Studienberatung oder mit einem psychologischen Berater. Auf keinen Fall aber sollte man sich in sein Schneckenhaus zurückziehen und einsam vor sich hin leiden.
Wie lerne ich, besser mit Fehlentscheidungen umzugehen?

Indem ich positive Haltungen und Fehlerfreundlichkeit erwerbe. ,Es irrt der Mensch, solange er lebt.‘ Allerdings gehört es zur Lebenskunst, sich solche Haltungen zuzulegen. Das geht oft nicht im Handumdrehen, sondern erfordert, ,durch das Leid hindurchzugehen‘.
Gibt es so etwas wie positives Scheitern?

Das ganze Leben ist ja in gewisser Weise ein ,Sich-Voranscheitern‘. Oder, wie Bob Dylan sagte: ,There’s no success like failure‘ – aber dann fügte er auch hinzu: ,and failure’s no success at all.‘ Mit einer fehlerfreundlichen Einstellung wird man den Begriff des Scheiterns hinsichtlich der unerfreulichen Konnotationen wie Versagen oder Blamage überprüfen müssen.
In unserer Gesellschaft werden Fehlentscheidungen als Schande angesehen, alles soll gradlinig verlaufen. Wie kann ich mich als Individuum von solchen Zwängen lösen?

Indem Sie kräftig sündigen! Nur durch den Verstoß gegen gesellschaftliche Vorgaben entsteht Freiheit. Außerdem erlebt man dadurch, dass die befürchteten Sanktionen meistens gar nicht auftreten, dass es viel mehr Verständnis gibt als erwartet und vielleicht sogar Bewunderung für den Mut, einen unpopulären Schritt zu tun, der einer inneren Wahrheit folgt, statt den Dogmen des Mainstreams.
Das hört sich gut an. Doch wie sage ich es meinen Eltern?

Hoffentlich möglichst offen, verständlich und klar. Allerdings ist es sinnvoll, die Eltern bereits im Vorfeld über die eigenen Unsicherheiten, Ängste und Zweifel aufzuklären, damit der mögliche Schock des Abbruchs gar nicht erst auftritt.
Interview: Carina Kamps und Carla Quick |
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