ERSTE HILFE
 
Tipps für die Literaturrecherche

Büchereien, Bibliotheken und das Internet bieten eine unglaubliche Flut von Informationen. Wir zeigen euch, wie man in Bibliotheken und im Internet die passende
wissenschaftliche Literatur auftreibt.
Von Katharina Lötzsch
 
Checkliste: Quellen
   
Universitätsbibliothek und Fernleihe
Deutsche Nationalbibliothek
Internet-Suchmaschinen wie www.google.de, www.yahoo.de und www.msn.de
Meta-Suchmaschinen wie www.metager.de
Datenbank-Suchmaschinen wie www.lalisio.de
Online-Nachschlagewerke wie www.wikipedia.de

 

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  Der Kaskasipudel – das Thema der Hausarbeit klingt nicht besonders sexy, aber machbar. Pudel sind schließlich drollige Tiere und wissenschaftliche Literatur über sie wird es sicher in großer Fülle geben. Die Suche führt zuerst zum Katalog der Universitätsbibliothek. Fehlanzeige. Kein einziges Werk zum Kaskasipudel.

Vielleicht hat eine andere der über 9 000 deutschen Bibliotheken etwas zu dem mysteriösen Pudel? Per Fernleihe können zahlreiche Bücher und Zeitschriftenartikel innerhalb der Bundesrepublik und aus dem Ausland beschafft werden. Diplom- und Magisterarbeiten sowie besonders wertvolle Literatur sind allerdings von der Fernleihe ausgeschlossen. Pro geordertem Werk kostet der Service einheitlich 1,50 Euro. Bestellungen nimmt jede Bibliothek entgegen.

Die Deutsche Nationalbibliothek: alles vorhanden
Gibt es nur ein Exemplar eines deutschen Buches, steht es garantiert in der Deutschen Nationalbibliothek. Sie sammelt seit 1913 lückenlos alle deutschsprachigen und in Deutschland erschienenen Publikationen. Mehr als 22,2 Millionen Bücher, Karten, Zeitschriften und CDs lagern in den Archiven in Frankfurt am Main, Leipzig und Berlin. Zum Stichwort Kaskasipudel fördert die Onlinedatenbank der Nationalbibliothek allerdings nur ein finnisches Bändchen über Heuschrecken sowie die Bücher zweier Autoren namens Kaskas zutage. Sackgasse.

Wenn also nirgends etwas zwischen zwei Buchdeckeln über den Kaskasipudel geschrieben steht, dann vielleicht im Internet. „Der Umgang mit dem Internet ist alltäglich geworden. Obwohl Universitätsbibliotheken unverzichtbar bleiben werden, sollte man auch online nach Texten suchen“, sagt Bettina Berendt, Juniorprofessorin für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität Berlin. „Bestandsbibliotheken sind umständlicher zu nutzen, man muss Texte erst kopieren, wenn man etwas anstreichen möchte.“

Suchmaschinen beispielsweise sind auch zur Literaturrecherche gern genutzte Dienstknechte. Der Marktanteil von Google liegt bei mehr als 80 Prozent. Zum Kaskasipudel fällt dem Platzhirsch der Onlinesuche allerdings nichts ein. Auch Yahoo und Microsoft MSN, mit je rund vier Prozent abgeschlagen auf Platz zwei und drei im Marktranking, wissen nichts über das Pudelchen. Leere Trefferseiten sind allerdings selten, oft erschlägt die Fülle der Ergebnisse den Nutzer.

Internet: Treffer werden oft manipuliert
„Viele glauben immer noch, dass Suchmaschinen das Internet vollständig erfassen und der erste Treffer der beste ist“, sagt Christoph Neuberger. Der Münsteraner Professor erforscht Suchmaschinen und rät zu Skepsis beim Einsatz von Google & Co. für wissenschaftliche Zwecke: „Wer Informationen zu Autoren finden will, wird von Suchmaschinen häufig zuerst zu kommerziellen Angeboten geschickt, von Onlinebuchhändlern zum Beispiel.“ Bezahlte Treffer, Manipulationen von außen und technische Schwächen können die Suchergebnisse zum Teil stark verfälschen. Eine fachspezifische Linksammlung anzulegen, zahle sich auf Dauer mehr aus als ständiges Googeln, sagt Neuberger.

Hilfreich können auch Metasuchmaschinen sein, die mehrere Suchmaschinen gleichzeitig durchforsten. Metager, betrieben von der Universität Hannover, liefert zum Kaskasipudel zwar auch keine Treffer, dafür aber ein hübsches Zitat von Lauren Bacall: „Phantasie ist der Versuchsballon, den man am allerhöchsten steigen lassen kann.“ Aha. Für all jene, die mit ihren Suchwörtern nicht weiterkommen, bietet Metager außerdem einen Web-Assoziator, der neue oder bessere Begriffe für die Suche finden soll. Assoziationen zum Kaskasipudel bleiben aber leider aus.

Keine Suchmaschinen, sondern Onlinebuchhändler, Dissertationsdatenbanken und Presseportale durchsucht Lalisio, eine Metasuchmaschine für Literatur. Lalisio – das lateinische Wort für einen kleinen Esel – schafft Studenten und Hochschuldozenten Quellen und Wissen heran. Über den Esel lässt sich außerdem Project MUSE nutzen, für das sich Privatpersonen eigentlich nicht registrieren können. Die englischsprachige elektronische Datenbank bietet online Zugang zu mehr als 300 Zeitschriften aus Kunst-, Geistes- und Sozialwissenschaften von über 60 akademischen Verlagshäusern. Über den Kaskasipudel finden Lalisio und MUSE jedoch nichts.

Wikipedia: nur zu Teilen brauchbar
Also weiter zu Wikipedia. Die englische Version der freien Enzyklopädie hat mehr als 1,2 Millionen Einträge, die deutsche 400 000. Weil aber jeder Internetnutzer Beiträge schreiben und ändern darf, können die Texte einseitig, ungenau oder unsinnig sein. „Viele Artikel zu Informatik, Anatomie und Philosophie sind beispielsweise sehr zu empfehlen, Beiträge über Molekularbiologie und Ökologie müssen noch verbessert werden“, erklärt Wikipedianer Achim Raschka. Auf gar keinen Fall sollten Studenten ihre Seminar- und Hausarbeiten auf den Inhalten von Wikipedia aufbauen, rät er. „Es spricht aber nichts dagegen, Wikipedia als Nachschlagewerk für Begriffsdefinitionen zu nutzen, wenn diese durch weitere Quellen bestätigt werden."

Und siehe, die alphabetische Auflistung aller Artikel führt sogar zum Wort Kaskasi. Endlich eine heiße Spur. Der Kaskasi, so lehrt Wikipedia, ist ein starker Monsunwind, der in Ostafrika von November bis März für warmes Wetter sorgt. Vielleicht kommt der Pudel ja aus Sansibar und hat ein recht stürmisches Gemüt?

Findet sich an den Schultern von Giganten mehr? So lautet nämlich das Motto von GoogleScholar. Wer ein Stichwort eintippt, erhält wissenschaftliche Literatur dazu angezeigt. „Zitationsanalyse-Dienste wie GoogleScholar, CiteSeer, Citebase und Repec verdeutlichen, wer wen zitiert und wie sich Ideen weiterentwickeln“, sagt Wirtschaftsinformatikerin Berendt. Ein Manko: Die Dienste verweisen zum Teil auf kostenpflichtige Datenbanken − und zum Kaskasipudel gleich gar nicht.

Letzte Chance für den Kaskasipudel
Vollständige Buchtexte online zu durchkämmen – das ermöglichen die Buchsuche von Google sowie Amazons SearchInside-Funktion. Bis 2015 will Google 15 Millionen Werke digitalisieren, unter anderem an den Universitäten Oxford, Stanford und Harvard. Aus urheberrechtlichen Gründen lassen sich aber mitunter nur wenige Seiten eines Buches anzeigen und manchmal auch in mangelhafter Scanqualität.

Während Google seine Buchsuche als eigenständige Internetseite zugänglich macht, bettet Amazon den SearchInside-Service etwas versteckter in die Sparte Bücher ein. Bisher sind nur ausgewählte Werke mit dieser Option versehen. Den Volltext kann außerdem nur sehen, wer als Kunde vorher bei Amazon gekauft hat. „Zwar ermöglichen Google und Amazon damit den schnellen Zugriff auf relevante Passagen“, sagt Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger, „sie verhindern so aber Zufallsfunde, wie man sie in einer Bibliothek macht.“ Literatur zu entdecken, sei in der Wissenschaft aber außerordentlich wichtig.

Tja, und zum Kaskasipudel konnten auch Google und Amazon nichts auftreiben. Kein Wunder: Zwar gibt es Pudel und auch den Monsunwind Kaskasi. Gekreuzt wurden sie bisher nur für diesen Text. Metager lieferte also mit seinem Zitat – „Phantasie ist der Versuchsballon, den man am allerhöchsten steigen lassen kann“ – die passendste Antwort.
Zum Begriff Kaskasipudel fällt Google, dem Platzhirsch der Onlinesuche, allerdings nichts ein.