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Liebe auf Distanz

Traumstudienplatz fest in der Tasche, Freund oder Freundin in weite Ferne gerückt. Beim Studienstart wird aus so mancher Heimatliebe eine Fernbeziehung – mit einigen Hindernissen und vielen Chancen.
Von Carla Quick und Carina Kamps

 


Verena Kielau, 20,
2. Semester Diplom-Pädagogik

Die Freiheit
genießen

„Mein Freund absolviert in Mannheim ein duales Studium, während ich in Münster Diplom-Pädagogik studiere. Zwischen uns liegen über 350 Kilometer. Aber wir kommen gut zurecht. Jeder von uns zieht unter der Woche sein Ding durch, studiert und trifft Freunde. Alle 14 Tage bis drei Wochen sehen wir uns dann an den Wochenenden.

Natürlich ist theoretisch die Gefahr größer, jemand anderen kennenzulernen. Aber ich weiß ja schließlich, was ich an meinem Freund habe. Wir telefonieren jeden Tag miteinander und schicken uns mehrere SMS hin und her. Dadurch sind wir immer auf dem Laufenden, was bei dem anderen gerade so passiert. Ich find’s gut, dass ich so viel Freiheit habe. Wir haben zwar auch gemeinsame Bekannte in Dortmund, wo wir beide herkommen, aber jeder hat auch seinen eigenen Freundeskreis am Studienort. Oft treffen wir uns zu einem gemeinsamen Wochenende in Dortmund oder ich fahre nach Mannheim. Bisher hat mein Freund meine Freundinnen in Münster noch nicht zu Gesicht bekommen, aber das wird sich sicherlich bald ändern.“

Lese-Tipps:

Christine Koller: „Liebe auf Distanz. Fernbeziehungen – und wie man sie meistert“. Moderne Verlagsgesellschaft, Heidelberg 2006, € 8,90, ISBN 978-3-636-07150-7
Peter Wendl: „Gelingende Fern-Beziehung“. Herder Verlag, Freiburg 2007, € 9.90, ISBN 978-3-451-20896-6
Rainer Moritz/Ole Könnecke: „Der kleine Fernbeziehungsberater“. Sanssouci Verlag, München 2006, € 9.90, ISBN-13: 978-3-8363-0057-5

       
  SONNTAGBABEND: Ein Zug erhält knatternd Einfahrt. Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss. Dann geht für mindestens eine Woche wieder jeder seiner eigenen Wege. Dieses Szenario spielt sich wieder und wieder an jedem beliebigen Bahnhof irgendwo in Deutschland ab. So ist das nun mal in einer Fernbeziehung, von der auch viele Studierende betroffen sind. Die Veränderung der Lebensumstände durch das Studium und den oftmals damit verbundenen Wohnortwechsel können eine „normale“ Beziehung zu einer Fernbeziehung werden lassen. Viele Beziehungen halten dieser Belastung nicht stand: „Natürlich ist eine Fernbeziehung immer problematischer als eine ,normale‘. Es ist schwieriger, Kompromisse einzugehen, aber diese sind gerade in einer Fernbeziehung unerlässlich“, sagt der Diplom-Psychologe Volker Koscielny von der Studienberatung der Uni Münster. Sein Tipp, wie man den Dauerkonflikt zugunsten der Beziehung lösen kann: „Es ist wichtig, dass beide Partner Kommunikationsmedien wie Telefon und E-Mail nutzen, um nicht ins Schweigen abzurutschen, und dass sie lernen, ihre Bedürfnisse aufzuschieben.“ Unerlässlich dabei: Beide Seiten müssen dies tun und auch wollen. Denn sonst leidet der eine und der andere fühlt sich unter Druck gesetzt, was das Aus einer jeder Beziehung beschleunigt.  
     
  Eine letzte Umarmung,
ein letzter Kuss
 
   
  DOCH ES LAUERT NOCH EINE GEFAHR von ganz anderer Seite: Gerade zu Beginn des Studiums lernt man viele neue interessante Menschen mit ähnlichen Interessen kennen. Zudem sehnt man sich in der völlig neuen Umgebung auch nach Gesellschaft und Geborgenheit. Da kann es schon einmal passieren, dass mehr aus einer Bekanntschaft wird. Das muss jedem, der in einer Fernbeziehung steckt, klar sein. Doch wer dem anderen gleich bei jedem netten Kontakt einen Seitensprung unterstellt und vor Eifersucht platzt, der erweist der Beziehung einen Bärendienst. Vertrauen ist nun mal das Schlüsselwort für jede Beziehung. Ohne Vertrauen geht es nicht. Fatal wäre es deshalb – so Psychologe Volker Koscielny – wenn man sich wegen eines rasend eifersüchtigen Partners anderen gegenüber verschließt. Für den Studienerfolg und das eigene Wohlergehen ist es immens wichtig, dass man sich einen Freundeskreis am Studienort aufbaut – für die eigene Beziehung mit Sicherheit auch.