ERSTE HILFE
 
Schön großzügig planen

Wer sich und seine Zeit gut managen kann, bekommt sein Studium besser in den Griff.
Dr. Eva Reichmann und Bianca Sievert verraten euch ein paar gute Strategien.

 
großzügig
   

Die einen erledigen immer alles auf den letzten Drücker, die anderen richten sich strikt nach ihren fein ausgearbeiteten Zeitplänen. Doch egal, wie man vorgeht: Jeder sollte lernen, seine persönliche Arbeitsweise zu optimieren, um möglichst gut und effizient studieren und arbeiten zu können. Denn der Umgang mit Planungs- und Arbeitsmethoden ist abhängig von der Persönlichkeit und nur zu einem Teil erlernbar.
Viele Techniken aus dem Zeitmanagement sind kaum für den Studienalltag geeignet, da sie für Führungskräfte entwickelt worden sind, die jede Menge Aufgaben delegieren können. Studierende können aber Lernprozesse oder das Schreiben von Klausuren nicht anderen überlassen. Zeit im eigentlichen Sinne kann man schlecht managen – eigene Denk- und Handlungsmuster verändern ist jedoch möglich.

Der Studienalltag ist durch vorgegebene Veranstaltungstermine zu einem großen Teil vorstrukturiert. Zeitmanagement bedeutet in diesem Zusammenhang, gutes Umgehen mit diesen Rahmenbedingungen zu erlernen und die zeitlichen Spielräume, die sich ergeben, sinnvoll und effizient für andere Aufgaben nutzen zu lernen. Dazu gehört zum Beispiel, die Zeit zwischen zwei Vorlesungen für die Recherche in der Bibliothek einzusetzen, um die für die Hausarbeit notwendige Literatur zu sammeln. Oder morgens eine halbe Stunde vor dem Seminar die Unterlagen noch einmal durchzuarbeiten, um das eventuell aufwendigere Lernen für die Klausur am Ende des Semesters so zu verkürzen.
Oftmals erscheint es schwierig, die Fülle von Aufgaben im Studium planerisch und organisatorisch zu meistern. Vielleicht ist eine Aufgabe so komplex und groß, dass man meint, sie kaum bewältigen zu können. Dann kann es hilfreich sein, diese große Aufgabe in kleine Schritte herunterzubrechen.

STUDIENORGANISATION
STEP BY STEP:
Groben Semesterplan erstellen
Dazu gehören alle Uni-Veranstaltungen (Vorlesungen, Seminare, feststehende Prüfungstermine) und die vorlesungsfreie Zeit (feststehende Prüfungstermine, Praktika, Jobs).

  • Diesen Plan auf einem ausreichend großen Blatt Papier skizzieren.
  • Feststehende Prüfungstermine auf dem Plan farbig markieren.
  • Prüfungstermine, die im Semester anstehen, aber selbstständig terminiert werden können, möglichst frühzeitig festlegen (mit jeweiligem Prüfer absprechen) und ebenfalls eintragen und farbig markieren.

ZEITFENSTER FESTLEGEN
Zum Beispiel insgesamt 6 Wochen zur Vorbereitung und Durchführung einer Prüfung.

  • Dieses Zeitfenster auf dem Plan markieren und dafür eine detaillierte Planung anfertigen. In den Wochenplan gehören: alle Uni-Veranstaltungen für die jeweilige Woche und alle übrigen Tätigkeiten (etwa Arbeit, Sport, Freizeit, Einkaufen und Verreisen).

SCHRITTE IDENTIFIZIEREN
Zur Vorbereitung einer Prüfung gehören zum Beispiel

  • die Vorbesprechung mit dem Lehrenden,
  • die Klärung des Themas (Welches Ziel hat die Aufgabenstellung, was benötige ich zur Lösung?),
  • die Recherche nach Literatur und relevantem Material,
  • das Lesen/Aufbereiten des Materials,
  • das Lernen und Verfestigen von Faktenwissen auf der kognitiven Ebene das Reproduzieren und Reflektieren in eigenen Worten,
  • die Wiederholung des Gelernten.

PAKETE ERSTELLEN

  • Fasst jeden einzelnen dieser Schritte in einem Zeit- und Aufgabenpaket zusammen, zum Beispiel ‚Literaturrecherche, insgesamt 6 Stunden‘, ‚Lesen und Aufbereiten, insgesamt 15 Stunden‘.
  • Wenn die Pakete zu groß werden, teilt sie nochmals in einzelne Päckchen auf! Je kleiner und überschaubarer, desto besser passen sie sich in eure Uni-, Arbeits- und Freizeitplanung ein.
  • Verteilt die Päckchen in euren Wochenplänen – und zwar so, dass ihr sie bewältigen, verschieben und aufteilen könnt (zum Beispiel ,Lesen und Aufbereiten‘: 3 Stunden am Dienstag zwischen 11:00 und 15:00 Uhr; 2 Stunden am Mittwoch zwischen 18:00 und 21:00 Uhr).

PUFFERZEITEN EINPLANEN
Es kommt immer anders als man denkt und plant. Oft überschätzt man die eigenen Kräfte und vergisst Pausen einzuplanen. Häufig unterschätzt man den Zeitbedarf, weil man nicht damit rechnet, dass etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen kann. Um euch unnötigen Stress zu ersparen, solltet ihr euch genügend Zeitpuffer einbauen.

PLANUNG ÜBERPRÜFEN
Checkt regelmäßig, ob alles so geklappt hat, wie ihr es euch vorgenommen habt? Was ist zeitlich schlecht gelaufen? Was hat euch überfordert? Durch was habt ihr euch eingeengt gefühlt? Was lief gut? Scheut euch nicht davor, eure Planung zu verändern und den tatsächlichen Gegebenheiten realistisch anzupassen.

ERFAHRUNGEN REFLEKTIEREN
Reflektiert nach der Lern- und Vorbereitungsphase eure Erfahrungen. Mit der Zeit werdet ihr ein Gefühl dafür bekommen, wie klein- oder großschrittig ihr vorgehen müsst und welche Form der Planung ihr tatsächlich braucht.