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Es geht auch anders
Sie sind ein Muss für den erfolgreichen Jobeinstieg, sie sind in vielen Studiengängen fest integriert, ihr Ruf hat in den vergangenen Jahren arg gelitten: Praktika. Damit ihr nicht auf die Nase fallt, gilt nur eines: Gezielt nach Praktikantenprogrammen suchen, die euch einen echten Mehrwert bringen. Von Carina Kamps
Beinahe hätte es der Ausdruck „Generation Praktikum“ zum Unwort des Jahres gebracht. In der Begründung der Gesellschaft für deutsche Sprache für das Jahr 2006 hieß es: „An zweiter Stelle steht Generation Praktikum als ein für viele weniger positives Lebensgefühl der jüngeren Generation, die vermehrt unbezahlten oder minderbezahlten Tätigkeiten in ungesicherten beruflichen Verhältnissen nachgehen muss.“
In der Tat gibt es zahlreiche Praktika, die ihrem Namen nicht gerecht werden, weil zwar die Betriebe davon profitieren, aber nicht die Praktikanten. Doch der Ruf ist schlechter als die Wirklichkeit. Neben der Schar an schwarzen Schafen gibt es viele Unternehmen, die Praktika gezielt als Instrument der Nachwuchsförderung und -gewinnung einsetzen (siehe Interview). Ein Beispiel dafür sind die eigens für Studenten entwickelten Praktikantenprogramme, die sich durch einen fest definierten Rahmen auszeichnen. Einige Unternehmen bieten ihren Praktikanten Seminare, die beispielsweise die Softskills der Teilnehmer schulen. Häufig werden Kick-off-Tage oder Stammtische zum Kennenlernen der anderen Praktikanten des Programms initiiert. Ein weiterer entscheidender Unterschied zu einem „normalen Praktikum“ liegt in den Tätigkeiten der Programmteilnehmer. Sie leisten zwar Unterstützung im Tagesgeschäft der jeweiligen Abteilung, beschäftigen sich jedoch hauptsächlich mit einem Projekt, das sie eigenverantwortlich bearbeiten. Beratend und unterstützend steht ihnen hierbei ein Mentor zur Seite. Aus solch einer Projektarbeit kann die Idee zu einer Abschlussarbeit entstehen.
Julia Rupp, 23, studiert International Business in Reutlingen an der School of International Business. Sie hat am Praktikantenprogramm „Projects and More“ von Roche Diagnostics teilgenommen. Besonders gut daran hat ihr der Mix aus Projektarbeit, Seminaren und Tagesgeschäft gefallen. Ihre Erfahrungen fasst sie zusammen: „Die Teilnahme an ‚Projects and More‘ war eine perfekte Ergänzung zum theoretisch erworbenen Wissen an der Hochschule.“ Darüber hinaus zieht Julia positive Schlüsse aus den regelmäßigen Gesprächen mit ihrem Mentor: „Die Feedback-Gespräche haben mir zur Optimierung und Einschätzung meiner persönlichen Fähigkeiten und Kenntnisse geholfen.“
Die Betreuung durch einen Mentor ist wesentlicher Bestandteil der meisten Praktikantenprogramme, denn dies unterstützt den Praktikanten in der Reflexion der eigenen Leistungen sowie im Netzwerkaufbau.
Win-win-Situation
für beide Seiten
Die Vorteile für Programmteilnehmer liegen auf der Hand. Doch inwiefern profitieren die Unternehmen vom Einsatz der Praktikanten? Dr. Dirk Pfenning von der Bayer AG dazu: „Als Ergänzung zur Theorie an den Hochschulen ist ein Praktikum heute Bestandteil vieler Studiengänge, die wir hiermit unterstützen. Unser Unternehmen erhält im Gegenzug neue und aktuelle Impulse aus den Hochschulen. Ein Austausch also, von dem alle profitieren.“
Nicht unerheblich bei der Entscheidung für ein Praktikum ist die Vergütung. Wer möchte sein Know-how schon einem Unternehmen zur Verfügung stellen, das nichts dafür zahlen will? Hier liegt ebenfalls ein weiterer Vorteil der Praktikantenprogramme. Sie werden in der Regel bezahlt. Wie viel Geld es gibt, hängt meist vom Studienfortschritt und von der Branche ab. So können Studierende bei der Bayer AG monatlich zwischen 130 und 1.000 € erhalten, beim Baukonzern HOCHTIEF zwischen 550 und 1.000 € und bei IBM zwischen rund 300 und 1.225 €.
Ticket zum Traumjob
Einige Unternehmen bevorzugen Teilnehmer, die bereits kurz vor dem Studienabschluss stehen, weil sie dann aufgrund ihrer guten Fachkenntnisse optimal einsetzbar sind. Der Vorteil für die Praktikanten: Viele Firmen bieten auf das Praktikumsprogramm aufbauend weitere Fördermodule an, die für den Jobeinstieg sehr nützlich sind. „Im Anschluss an ‚Inside‘, unserem Praktikantenprogramm, besteht die Möglichkeit der Aufnahme in die Bindungsprogramme ‚Upgrade‘ oder ‚Topaz‘ “, berichtet beispielsweise Susanne Bierkant von Siemens IT Solutions and Services. Die Kandidaten erhalten in beiden Programmen verstärkt Unterstützung bei der Suche von Praktika, Diplomarbeiten und Auslandspraktika und werden bei der Suche nach einer Festanstellung im Unternehmen unterstützt.“
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Dass dies tatsächlich klappen kann, zeigt das Beispiel von Marta Kurzawa. Die heute 26-Jährige hätte nicht gedacht, dass sie als angehende Kulturwissenschaftlerin eine Chance bei einem Technologiekonzern erhalten würde. Doch ihre spontane Bewerbung beim Praktikantenprogramm ,Inside‘ von Siemens IT Solutions and Services hatte unerwartet Erfolg. Sie bestand auf Anhieb das Einstellungsverfahren, präsentierte mit Erfolg ihr eigenständiges Praktikumsprojekt, wurde danach in ein Upgrade-Programm aufgenommen und hat heute eine feste Stelle bei ihrem einstigen Praktikumsgeber. „Die Teilnahme an dem Praktikantenprogramm war der erste Schritt in Richtung Traumjob“, ist Marta Kurzawa felsenfest überzeugt.
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Nachgefragt ...
Praktikantenprogramme sind für die Unternehmen ein wichtiges Instrument der Nachwuchsgewinnung. Sonja Neuthinger vom Personalmarketing des Healthcare-Konzerns
Roche Diagnostics sagt euch, worauf es ankommt.
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