GLOBAL CAMPUS
 
Was bleibt ist das Fernweh

Carina Kamps gehört zu den Pionieren in Sachen Auslandserfahrung. Während die meisten Studierenden im guten alten Europa bleiben, hat sie sich dort umgeschaut, wo die Zukunftsmusik spielt: in Taiwan.

„Ni Hao. Wo jiào Carina”

„Während meines dualen Studiums zur Diplom-Kauffrau Marketing/Management an der Technischen Fachhochschule Berlin hatte ich ein Stipendium der Siemens AG, sodass ich alle meine Praxisphasen bei Fujitsu Siemens absolvierte. Praxisphasen waren ein Muss und Auslandspraktika besonders begehrt. Ein Praxisphasenbetreuer vermittelte mir einen Kontakt nach Taipeh. Ich schickte meine Bewerbung dorthin, am nächsten Tag bekam ich einen Anruf: Wann kannst du kommen?
 
 

  Ein halbes Jahr später saß ich im Flugzeug nach Taiwan: „Ni Hao. Wo jiào Carina.“ („Hallo. Mein Name ist Carina.“) Vor meiner Abreise hatte ich mir ein paar Worte Chinesisch angeeignet. Doch über ein paar Begrüßungsfloskeln kam ich leider nicht hinaus. Bei der Arbeit befasste ich mich mit Marktforschung. So recherchierte ich potenzielle Trends im Bereich der Informationstechnologie. Die Kollegen versuchten, mich in ihr Tagesgeschäft einzubinden, was sich aber aufgrund der Sprachprobleme schwierig gestaltete. Einmal verbrachte ich vier Stunden in Vertragsverhandlungen mit einem taiwanesischen Zulieferer. An sich eine spannende Sache, aber leider wurde natürlich auf Chinesisch verhandelt.

In meiner Freizeit schaute ich mir Tempel und das höchste Gebäude der Welt an, reiste nach Hongkong und Südtaiwan und traf mich mit Kollegen zum Karaoke. Diese Begeisterung für Karaoke hat mich gleich an meinem ersten Abend in Taipeh auf einer Chinese New Year Feier heimgesucht. Dort musste ich vor meinen neuen Kollegen ein Ständchen geben. Mit meiner Interpretation von ,Er gehört zu mir‘ brach ich sofort das Eis.
  Am meisten begeistert aber war ich von den ,night markets‘. Abends nach der Arbeit konnte ich dort zwischen den vielen Kleidungshändlern und Essensständen meinen Tag Revue passieren lassen.

DIE TAIWANESEN sind sehr freundliche und interessierte Menschen. Besonders Kinder sprachen mich gern an, um zu erfahren, woher ich komme. An schlechten Tagen, wenn ich Heimweh hatte, fühlte ich mich allerdings manchmal wie ein bunter Hund, der in der Metro angestarrt wird.

Mein Aufenthalt in dieser so völlig fremden Kultur hat mich beruflich und persönlich weitergebracht. Ich bin selbstständiger geworden und gehe offener auf Menschen zu. Allerdings hat er mir ein Leiden beschert: Fernweh.“
  Mit Karaoke
erobert man die Herzen