GLOBAL CAMPUS

Bologna-Prozess

Die europäischen Bildungsminister unterzeichneten 1999 in Bologna eine Erklärung, in der sie sich auf die Schaffung des Europäischen Hochschulraumes (EHR) einigten. Die Umsetzungsphase bis zum Jahr 2010 wird als Bologna-Prozess bezeichnet. Inzwischen sind 46 Staaten, darunter alle EU-Länder, daran beteiligt. Wichtige Ziele des EHR sind die Förderung der Mobilität von Studierenden, Absolventen und Lehrenden durch Austauschprogramme, Kooperationen und die Verwirklichung vergleichbarer, gestufter Studienabschlüsse.

ECTS

Das European Credit Transfer System (ECTS) ist ein Kreditpunktesystem, das an den meisten Hochschulen im EHR eingeführt wurde. Die in einem Studiengang zu erreichenden Kreditpunkte werden auf die unterschiedlichen Komponenten des Studiums (wie Kurse, Praktika und Abschlussarbeiten) verteilt. Somit kann die tatsächliche Arbeitsbelastung des Studierenden abgebildet werden. Das ECTS stellt Transparenz her und ermöglicht so die Vergleichbarkeit von Studiengängen. Das erleichtert zum Beispiel die Anrechnung von Kursen beim Wechseln der Hochschule.

Diploma Supplement

Das Diploma Supplement ist eine europaweit standardisierte Erläuterung zu Abschlusszeugnissen und damit einhergehenden Qualifikationen im Hochschulbereich. Es soll die Bewertung und Einstufung von akademischen Abschlüssen sowohl für Studien- als auch für Berufszwecke erleichtern. Seit 2005 wird es Studierenden von den deutschen Hochschulen automatisch und gebührenfrei ausgestellt.

Modularisierung

Im Zuge des Bologna-Prozesses werden die Studiengänge bis zum Jahr 2010 auf Bachelor und Master umgestellt. Mit der Umstellung der Studienstruktur geht eine Modularisierung einher. Das bedeutet: Studieninhalte und Veranstaltungen werden zu größeren, in sich abgeschlossenen und abprüfbaren inhaltlichen Einheiten (Modulen) zusammengefasst. Ein modularisiertes Studium besteht also aus mehreren Modulen, von denen einige verpflichtend und andere freiwillig sind. Jedes Modul wird mit einer Modulabschlussprüfung beendet und mit einer bestimmten Anzahl an Kreditpunkten (eventuell auch Noten versehen).

Die Broschüre können Sie im Internet kostenlos downloaden (www.hrk-bologna.de/london
2007
) oder per E-Mail kostenlos bestellen: bologna@hrk.de.

 
Überzeugte
Bolognesin

Prof. Dr. Margret Wintermantel, die Präsidentin der HRK, ist ein Fan der neuen internationalen Bachelor- und Master-Studiengänge. Sie kann dafür aus dem Stegreif viele gute Gründe nennen.

Warum würden Sie sich heute unbedingt für ein Bachelor-Studium entscheiden?

Erstens, weil es sich dabei um ein modernisiertes Studienangebot handelt, das mich wissenschaftlich qualifiziert und mir mit Blick auf internationale Mobilität ganz neue Perspektiven bietet. Die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge sind ein wichtiger Bestandteil des Bologna-Prozesses. Das Besondere daran: Die Hochschulen aus ganz Europa sind an dieser Reform beteiligt. Sie haben sich dazu verpflichtet, Studienleistungen und Abschlüsse international vergleichbar zu machen und die gegenseitige Anerkennung zu erleichtern. Das macht es den Studierenden einfacher, ein Teil ihres Studiums im Ausland zu absolvieren – also mobil zu sein.

Ein zweites Argument, das mich für ein Bachelor-Studium einnehmen würde: Es orientiert sich stärker an dem Erwerb von arbeitsmarktbezogenen Kompetenzen. Gleichwohl bleibt das Studium wissenschaftlich und forschungsorientiert, aber der Blick auf spätere Arbeitsfelder wird noch ernster genommen. Insgesamt steht Bologna für klare, wissenschaftliche Qualifikationsziele und für einen deutlichen Perspektivenwechsel hin zum Lernenden. Als Bachelor-Studentin würde ich mir dann auch wünschen, frühzeitig Kontakt zu Arbeitgebern zu finden und konkrete Praxiserfahrungen zu sammeln.

Und nicht zuletzt böten mir die neuen Studiengänge die Chance, nach dem Bachelor-Abschluss noch einmal die Weichen zu stellen: So könnte ich direkt in den Beruf einsteigen oder aber einen Master draufsatteln, um danach eine anspruchsvolle Führungsposition zu übernehmen oder zu promovieren. Diese zusätzliche Möglichkeit der Weichenstellung halte ich für einen großen Gewinn.

Prof. Wintermantel   Prof. Dr. Margret Wintermantel forschte nach Ihrem Psychologie-Studium in Mainz und Heidelberg eine zeitlang an den US-Universitäten Ann Arbor und Berkley

Wie können Studierende die Chancen, die ihnen der Bologna-Prozess bietet, am besten nutzen?

Als Studienanfänger sollten Sie sich nach Ihren eigenen Neigungen und Fähigkeiten sowie den Anforderungen Ihres späteren Berufes entscheiden. Nehmen Sie sich Zeit, sprechen Sie mit Studienberatern und Lehrenden, machen Sie Praktika, nutzen Sie auch freiwillige Eignungstests. Die Zeit, die Sie hier investieren, erspart Ihnen manchen Umweg, etwa Fächerwechsel oder gar Studienabbruch. Klare Vorstellungen und die Freude an der Sache spielen eine wichtige Rolle für den Studienerfolg. Achten Sie aber auch darauf, inwieweit Studiengänge spätere Arbeitsfelder in den Blick nehmen.

Nutzen Sie dann die Möglichkeiten, die sich Ihnen im Studium bieten und gestalten Sie aktiv mit, sowohl mit Blick auf Ihre Interessen als auch auf Ihre Arbeitsmarktchancen. Nützlich sind sicher die Erfahrungen der Studierenden, die sich bereits auf einen Bachelor-Abschluss vorbereiten. Praktika während des Studiums sind wichtig und inspirierend. Und machen Sie sich frühzeitig Gedanken über den Nutzen eines Auslandsaufenthaltes für Ihre weitere Entwicklung. Auch dafür sollte ein Studiengang Möglichkeiten bieten.

Was haben Ihnen persönlich und beruflich Ihre eigenen Auslandserfahrungen gebracht?

Sie haben mich sehr geprägt. Auf den Punkt gebracht: Ein Auslandsaufenthalt fördert den Austausch mit Menschen anderer Länder und Kulturen. Er hilft einem, den eigenen Standpunkt klarer zu bestimmen und andere Perspektiven kennen und verstehen zu lernen. Es ist zudem gewinnbringend zu erfahren, wie im Ausland Wissen und Kompetenzen zum Beispiel in Vorlesungen und Seminaren vermittelt werden. Davon profitiert man für die eigene Studien- und Berufspraxis. Schließlich kann man auch seine Sprachkenntnisse vertiefen, ein Pfund, mit dem sich ein ganzes Leben lang wuchern lässt.